Alles über meine Ausbildung zur Automobilkauffrau - Innocentbeauty
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Alles über meine Ausbildung zur Automobilkauffrau

25 Okt Alles über meine Ausbildung zur Automobilkauffrau

Es kommt nicht selten vor, dass ich nach meiner Ausbildung zur Automobilkauffrau gefragt werde. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen einen ausführlichen Blogbeitrag darüber zu schreiben. Für junge Leute, die gerade vor der Entscheidung stehen wie es in ihrer beruflichen Laufbahn weiter gehen soll, ist es sicherlich hilfreich einen Erfahrungsbericht aus erster Hand lesen zu können. Als erstes werde ich nach dieser kurzen Einleitung die sachlichen Fakten abarbeiten und dann später zu meinen persönlichen Erfahrungen kommen. Wie ihr sehen könnt habe ich bei einem SEAT Händler gelernt. Einem netten, kleinen Familienbetrieb mit über 50 Jahren Unternehmensgeschichte. Etwas besseres hätte mir, was den Betrieb angeht, nicht passieren können. Ich hatte sehr korrekte und vor Allem menschliche Kollegen und Vorgesetzte. Das Betriebsklima war super und ich habe mich dort von Anfang an wohl gefühlt. Der einzige große Nachteil war, dass mein Ausbildungsbetrieb 40 km entfernt von meinem Zuhause lag. Anfangs pendelte ich 3 Stunden täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hin und her. Als ich mit 18 dann meinen Führerschein hatte waren es manchmal sogar 4 Stunden täglich mit dem Auto. Ihr kennt es sicherlich auch, zig Baustellen, Sperrungen und das aller Schönste, Stau. Es erforderte also eine menge Disziplin meinerseits. Aber wenn ich überlege was für schlimme Ereignisse meine Klassenkameraden in ihren Großunternehmen erleben mussten. (Mobbing, Ausbeutung, etc. und das bei Namhaften Firmen wohl bemerkt.) Dann weiß ich, dass ich SEHR GUT aufgehoben war in meinem süßen, kleinen Familienbetrieb. Auch wenn er für mich am anderen Ende von Hamburg lag. Aber nun zum eigentlichen Thema!

Ausbildung

(Das Foto ist im Sommer 2012 entstanden, wenn ich mich nicht täusche. Ich bin die Grinsebacke ganz rechts. 😀 )

Im August 2011 fing meine duale Ausbildung zur Automobilkauffrau an. Als duale Ausbildung, auch duales Berufsausbildungssystem, bezeichnet man die parallele Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule. Meine Wochen setzten sich wie folgt zusammen:

Im 1. Lehrjahr: Zwei Tage die Woche Berufsschule. (In meinem Fall montags und freitags)
Im 2. Lehrjahr: Einen Tag in der Woche Berufsschule. (In meinem Fall dienstags)
Im 3. Lehrjahr: Einen Tag in der Woche Berufsschule. (In meinem Fall mittwochs)

An allen anderen Werktagen in der Woche musste ich im Betrieb arbeiten, versteht sich.

Die Industrie und Handelskammer Lübeck, war meine zuständige Behörde. Da ich zu Beginn meiner Ausbildung noch 16 Jahre jung war, galt für mich noch das Jugendarbeitsschutzgesetz. Dadurch genoss ich einige Privilege, wie zum Beispiel, nach der Berufsschule nicht noch in den Betrieb zu müssen. Außerdem durfte ich an Samstagen nicht beschäftigt werden. Es gibt natürlich noch viel mehr Vorschriften die das JArbSchG betreffen. Wenn ihr noch unter 18 Jahre alt seid und euch das Thema interessiert, könnt ihr euch alles zum JArbSchG hier durchlesen. ->Bundesrecht-Jugendarbeitsschutzgesetz

Zu meinem Berufsausbildungsvertrag der IHK Lübeck:

Ein Solcher Vertrag muss folgende Informationen beinhalten:

  • Name und Anschrift des Azubis
  • Firmenname und Anschrift des Ausbildungsbetriebs
  • Um welche Ausbildung es sich genau handelt
  • Dauer der Ausbildung (3 Jahre bzw. 36 Monate)
  • Ausbildungszeit in Stunden täglich oder wöchentlich (in meinem Fall 38,5 Stunden die Woche)
  • Die Probezeit (muss laut JArSchG mind. 1 Monat und darf höchstes 4 Monate andauern. In meinem Fall waren es 3 Monate.)
  • Die Urlaubstage (Laut JArSchG müssen es bei 16 Jährigen mind. 27 Tage im Jahr sein. Bei mir waren es großzügigerweise 30 Tage.)
  • Ort, Datum und Unterschrift von: dem Ausbildungsbetrieb, bzw. dem Ausbilder oder Chef, dem Azubi und den Eltern.
  • Die Ausbildungsvergütung (Gestaffelte Vergütung, jedes Jahr ein bisschen mehr.)

 

Sicherlich interessiert euch das Thema Ausbildungsgehalt. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich darüber sprechen darf. Immerhin unterschiebt man in seinem Ausbildungsvetrag absolute Diskretion über solche internen Informationen. Jeder Ausbildungsbetrieb vergütet seine Azubis außerdem anders. Im Internet kann man allerdings Informationen über Azubi-Gehälter finden. Im Grunde genommen bekommt man meistens nicht viel mehr, als bei einem Mini-Job.

Nun kommen wir zum Lehrplan bzw Rahmenplan. Damit ihr einen Einblick über den Lerninhalt dieses Ausbildungsberufes bekommt, stelle ich euch den Lehrplan als PDF Datei zur Verfügung.

Rahmenplan Ausbildung Automobilkaufleute PDF

Im großen und Ganzen gibt es drei Überbegriffe die all‘ diese Themen beinhalten.

  1. Servie und Vertrieb
  2. Wirtschafts- und Sozialkunde
  3. Rechnungswesen

 

Übrigens legt man in seiner schriftlichen Abschlussprüfung genau diese drei Prüfungen ab.

An dieser Stelle möchte ich mit ein paar Vorurteilen bzw. Klischees die diese Ausbildung betreffen aufräumen:

Viele Leute denken eine Automobilkauffrau sei das Selbe wie eine Autoverkäuferin. Das ist schlicht und einfach falsch. Man kann es eher mit der Bürokauffrau vergleichen. In diesem Ausbildungsberuf lernt man alles was man in der Ausbildung zur Bürokauffrau auch lernen würde, nur mit einem höheren Schwierigkeitsgrad und auf Autos bezogen. Erst nach der Ausbildung kann man sich weiterbilden lassen zur Autoverkäuferin. Wie in jedem Betrieb gibt es auch im Autohaus verschiedene Aufgabengebiete. Allein im kaufmännischen Bereich gibt es viele Positionen. Wie z.B: Geschäftseigentümer, Geschäftsführer, Controller, Finanzbuchhalter, Mitarbeiter im Personalwesen/ Human Resources, Serviceassistenten, Disponenten, Marketing-Manager, Neuwagenverkäufer, Gebrauchtwagenverkäufer, Junior-Verkaufsberater, Mitarbeiter im Teile- und Zubehörvertrieb, Außendienstmitarbeiter und viele mehr. In den drei Jahren der Ausbildung muss man im besten Fall alle Aufgabengebiete durchlaufen. Denn in der Abschlussprüfung gilt: Es kann alles dran kommen. Nach bestandener Ausbildung kann man entscheiden welchen Weg man im Autohaus einschlagen möchte und sich auf eine bestimmte Position bewerben.

Was euch vor Beginn so einer Ausbildung absolut klar sein sollte:

  • Genießt eure Schulferien vor der Ausbildung, denn er werden eure letzten sein!
  • In der Berufsschule gibt es natürlich auch Ferien, aber für Azubis gilt leider: In den Ferien muss man in den Betrieb!
  • Man hat höchstes 30 Tage im Jahr Urlaub.
  • Man arbeitet Minimum 8 Stunden am Tag.
  • Ab dem 18. Lebensjahr kann es auch sein, dass man samstags arbeiten muss.
  • In der Berufsschule gibt es natürlich auch regelmäßig Klausuren und Tests.
  • Nicht nur eure Eltern müssen eure Halbjahreszeugnisse unterschreiben sondern auch euer Chef
  • Wenn ihr denkt dreien im Zeugnis sind völlig in Ordnung habt ihr falsch gedacht. Etwas schlechteres als eine zwei sieht ein Chef nicht gerne.
  • Man arbeitet Vollzeit und muss ganz „nebenbei“ noch lernen. Sprich: Weniger Freizeit und weniger vom Privatleben.
  • Es gibt saisonbedingt ein sehr unterschiedliches Arbeitspensum. Die Reifenwechselzeit wird gerade im ersten Lehrjahr eine Belastungsprobe für euch, wenn ihr im Service arbeitet.
  • Ihr solltet pünktlich zum 18. Lebensjahr euren Führerschein haben.
  • Man wird nicht besser vergütet als hätte man einen Minijob und leistet dabei mehr als drei mal so viel.

 

Nun kommen wir aber zu den positiven Dingen einer Ausbildung:

  • Man lernt für’s Leben.
  • Es wird einem Pünktlichkeit, Genauigkeit und Professionalität vermittelt und auch privat gewinnen diese Eigenschaften dadurch irgendwann große Bedeutung.
  • Es gibt starke Belastungsproben psychisch wie auch physisch, die euch an eure Grenzen bringen werden. Danach habt ihr das Gefühl ihr könnt ALLES schaffen. 😉
  • Eine Ausbildung stärkt bzw. steigert das Selbstbewusstsein.
  • Eine Ausbildung fordert und fördert junge Leute.
  • Es ist eine neue spannende Herausforderung .
  • Für Menschen bei denen Strukturen, Organisation und Planung an erster Stelle stehen ist eine kaufmännische Ausbildung eine Art Genugtuung.
  • Man lernt neue Menschen kennen.
  • Es können wunderbare Freundschaften entstehen! (Shoutout to AUT11-2, der besten Berufsschulklasse! Ich vermisse euch Leute. ♥)
  • Man lernt mit ganz unterschiedlichen Menschen klar kommen zu müssen, denen man privat vielleicht lieber aus dem Weg gehen würde. (Für die private Zukunft ist das Gold wert!)
  • Man muss sich seinen Ängsten stellen.
  • Nach einer erfolgreich absolvierten kaufmännischen Ausbildung hat man viel bessere Berufschancen.
  • Gesellschaftliche Anerkennung (Mensch, die kann ja mehr als nur schminken!) 😀
  • Nach „nur“ drei Jahren Ausbildung wird als vollwertige Mitarbeiterin vergütet.
  • Nach DIESER Ausbildung hat man quasi zwangsweise seinen Führerschein in der Tasche.
  • Auch wenn man später beruflich einen anderen Weg einschlägt, bleiben einem einige Lektionen aus der Ausbildung für immer eine Lehre.
  • Durch diese Ausbildung kann man sich neue Computersysteme besonders schnell aneignen.
  • Man erlangt Fachwissen in allen Bereichen eines Autohauses.
  • Die Ausbildung zum/zur Automobilkaufmann/-frau ist staatlich anerkannt.
  • Man genießt sehr humane Arbeitszeiten.
  • Mit einer kaufmännischen Ausbildung in der Tasche, findet man leichter einen Job.

 

Eigentlich wollte ich die Vor- und Nachteile so sachlich wie möglich schreiben, aber wenn ich mir das im Endeffekt noch ein mal durchlese sind sie doch sehr auf mich und meine Person bezogen. Vielleicht ist das auch gut so, immerhin geht es um meine Sicht der Dinge.

Fazit: Alles in Allem war meine Ausbildungszeit mit viel Stress, Fahrerei und der Suche nach mir selbst verbunden. Schon früh merkte ich, dass die Automobilbranche nicht zu mir passte. Ich konnte mich damit nicht identifizieren. Autos sind einfach nicht meine Welt und wenn das Interesse an der Materie fehlt macht das ganze wenig Sinn.  Trotzdem habe ich die Ausbildung bis zum Ende ausgeübt. Aus dem einfachen Grund, dass sich eine abgebrochene Ausbildung in jungen Jahren in keinem Lebenslauf gut macht. Hätte ich nach ein paar Monaten schon gesagt, ich würde gerne eine andere Richtung einschlagen, wäre das absolut in Ordnung. Dieser Moment kam allerdings erst nach 1,5 Jahren, als ich die Hälfte schon hinter mir hatte. In dieser Zeit aufzuhören, hätte sich für mich wie aufgeben angefühlt. Also bin ich stark geblieben und bin heute sehr froh über meine damalige Entscheidung und auch ein bisschen stolz. Auch bei meinem jetzigen Arbeitgeber machen sich die Vorzüge, meiner dreijährigen Ausbildung, immer wieder bemerkbar. Ich bereue meine Ausbildung absolut nicht und nehme, für mich selbst und meine Zukunft, sehr viel aus dieser Zeit mit. Aus heutiger Sicht betrachtet würde ich eine Ausbildung im Allgemeinen weiterempfehlen. Sie bringt einen immer weiter im Leben, auch wenn man sich anfangs vielleicht noch fragt wohin genau. Mein Weg führte mich in eine ganz andere Branche, die Kosmetikbranche. Ich fühle mich dort pudelwohl und zeige ehrliches, aufrichtiges Interesse und Lernbereitschaft.

Falls ihr Fragen zu dem ganzen Thema haben solltet, könnt ihr sie mir gerne in den Kommentaren stellen. Ihr könnt mich natürlich auch anderweitig über meine sozialen Netzwerke kontaktieren. Ich hoffe mein Blogeintrag ist für den einen oder anderen von euch hilfreich. Bevor ich meine Ausbildung damals angefangen habe, hätte ich mir so einen ausführlichen Erfahrungsbericht aus erster Hand jedenfalls gewünscht.Habt ihr auch schon eine Ausbildung hinter euch und ähnliche Erfahrungen sammeln können? Lasst es mich wissen! 🙂



Olija Saveliva
innocentbeauty@outlook.de
2 Comments
  • Martin
    Posted at 10:22h, 05 August Antworten

    Hi Olija,

    Sehr cooler und ausführlicher Post, der wird vielen die an der Ausbildung interessiert sind bestimmt helfen.

    Hättest du evtl Interesse an einem kleinen Interview für die Leser von unserem Blog http://www.automobilkaufmann.info ?

    Ciao
    Martin

    • Olija Saveliva
      Posted at 18:49h, 05 August Antworten

      Hallo Martin,

      vielen Dank für dein positives Feedback.

      Klar, wieso nicht. 🙂

      Liebe Grüße,

      Olija

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