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Wie gefährlich ist die Pille wirklich? – Interview mit Frauenärztin Frau Dr. Dorothee Struck

17 Dez Wie gefährlich ist die Pille wirklich? – Interview mit Frauenärztin Frau Dr. Dorothee Struck

Endlich ist es soweit! Lange Zeit habe ich eure Fragen die mich über Instagram, Facebook & Co. erreicht haben gesammelt und mir die Wichtigsten für das Interview mit Frau Dr. Dorothee Struck rausgesucht. Ich bin unglaublich dankbar für diese einmalige Gelegenheit eine Frau vom Fach (schriftlich) interviewen zu dürfen.

1. Was hat Sie dazu bewegt Mädchen und Frauen über hormonfreie Verhütung auf Ihrer Website DocDodo aufzuklären?

Ich war seit Jahren in meiner Praxis immer wieder so erstaunt, wie wenig Frauen über Ihren Körper wissen und das das Wissen über hormonfreie Verhütungsmethoden bei vielen Frauen minimal ist. Ich wurde oft mit großen Augen angeguckt, wenn ich anfing, von Kupferkette, Spirale, Caya, Femcap und NFP zu erzählen und davon, dass es möglich ist, damit sehr sicher zu verhüten.  Am meisten ärgert mich noch, dass die Pille immer als super sicher gilt: theoretisch ist sie das ja, aber im täglichen Leben mit Vergesslichkeit, Medikamenteneinnahmen, Krankheit & Co kommen wir auf einen Gebrauchs-Index (Pearl-Index unter Alltagsbedingungen) von 6-8 von 100 Frauen, die damit pro Jahr schwanger werden. Das ist exakt die gleiche Rate, wie der Durchschnitt der Diaphragma-Anwenderinnen in einigen großen Studien und viel mehr ungeplant schwangere Frauen als mit einer Spirale. So habe ich erst einmal ein Buch geschrieben, 2015 veröffentlicht (Verhüten ohne Hormone- Alterativen zu Pille & Co) und da ich feststellen musste, das nicht alle Frauen solche Bücherwürmer sind, wie ich, eine Online-Plattform DocDodo aufgebaut. Gerade für jüngere Frauen sind Formate wie YouTube-Videos und Webinare ansprechender als ein knapp 300-Seiten Buch und ein Videokurs zum Diaphragma liegt mehr im zeitgeistigen Trend, wie Dinge gelernt werden können als wortreiche Beschreibungen.

2. Was halten Sie im Allgemeinen von der Pille als Verhütungsmittel?

Die Pille ist eines von vielen Verhütungsmitteln, aber eben genau nur das. Die Pille, ebenso wie das Verhütungspflaster, der Ring oder die Hormonspirale sind Medikamente. Sie können sehr nützlich sein, gerade wenn es medizinische Gründe gibt, den körpereigenen Zyklus lahmzulegen.  Nach der Operation einer Endometriose ist eine Pille zur Verhinderung schneller Rückfälle sehr hilfreich. Und mir ist die Einnahme der Pille viel lieber als ungeplante Schwangerschaften, von daher verschreibe ich die Pille und ihre Kollegen selbstverständlich auch, wenn eine Dame sie haben möchte. Leider wird die Pille heute oft verharmlost als ein „Beauty-Bonbon“ das für schöne Haut und Haare, größeren Busen etc. sorgen soll oder als „Menstruations-Management“ damit die Regel nur noch dann kommt, wenn es gerade in den life-Style passt. Aber eine Frau, die sie nimmt, sollte sich bewusst sein, das sie damit ein Dauermedikament einnimmt, das sowohl Wirkungen als auch das Potential für Nebenwirkungen hat.

3. Stimmt es, dass die Pille nicht nur physische sondern auch psychische Leiden wie Depressionen hervorrufen kann?

Jedes Medikament das wirkt, kann auch Nebenwirkungen mit sich bringen und Frauen reagieren sehr unterschiedlich auf hormonelle Veränderungen. Da eigentlich alle Kombinationspillen eine indirekte Senkung des Testosteron-Spiegels bewirken, kann dadurch Antriebslosigkeit entstehen, vor allem, wenn der Testosteronspiegel ohnehin eher niedrig war bei der betreffenden Dame. Durch die Senkung des DHEA (Dehydroepiandrostendinon), ein Hormon der Nebennierenrinde) kann ebenfalls eine „Verflachung der Stimmungslage“ eintreten. Daneben führt die Langzeiteinnahme von hormoneller Verhütung zu einem Mangel an B-Vitaminen und Zink, die zur Produktion von Serotonin, unserem „Glücklich-Hormon“, benötigt werden. Gerade wenn die Pille eingenommen wird und eine sehr eingeschränkte oder einseitige Ernährung stattfindet oder andere Mängel wie z. B. Vitamin D-Mangel im Winter bestehen, ist die Förderung von depressiven Verstimmungen möglich. Allerdings können Depressionen auch mit ganz anderen Ursachen zusammenhängen. Die Pille ist nur ein möglicher Faktor, aber einer, der sich angesichts der Verhütungsalternativen schneller ändern lässt als ein belastendes Arbeitsverhältnis oder familiäre Konflikte, daher würde ich erstmal dort anfangen. Ich habe auch immer wieder die Erfahrung gemacht, das Frauen nach dem Absetzen der Pille sagten, sie fühlten sich viel lebendiger und wacher, nicht mehr wie unter einer Käseglocke und sahen sich dann in der Lage, andere Probleme im Leben anzugehen. Was ich bedenklich finde: In den USA werden mittlerweile Pillen erprobt, denen Vitamine wie Folsäure bereits zugesetzt sind oder andere Hormone wie DHEA um einen „add-back“ Effekt zu erzielen. Warum dann nicht einfacher anders verhüten? Und Folsäure findet sich in grünem Gemüse, wenn ich hormon-frei verhüte und viel frisches Gemüse esse, muss ich mir über Folsäure-Mangel auch keine großen Gedanken machen.

4. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Pilleneinnahme und Krebs?

Ja und Nein: Denn das ist abhängig, davon, welchen Krebs wir betrachten:

Brustkrebs: die WHO gibt an, dass bei mehr als 10 jähriger Einnahme der Pille die Brustkrebshäufigkeit leicht ansteigt. Allerdings braucht Krebs jahrelang um zu entstehen und die Untersuchungen, die die Steigerung der Brustkrebsrate belegen, beruhen auf den echten „Hormonbomben“ die früher gegeben wurden (die ersten Pillen auf dem Markt enthielten 50-100µg Ethinylestradiol, heute sind wir bei 15-30µg). Daher wissen wir nicht, ob das auf die heutigen, niedrig dosierten Präparate exakt so zu übertragen ist. Sicherer ist es aber, nach 5-10 Jahren spätestens zu überlegen, ob nicht einmal eine andere Verhütung passend wäre.

Muttermundskrebs: die Rate an Veränderungen am Muttermund ist im Vergleich zu Frauen, die mit anderen Methoden verhüten nahezu doppelt so hoch, allerdings können wir diese Veränderungen mit regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen (Pap-Abstrich) in fast allen Fällen rechtzeitig erkennen. Hier ist ein wichtiger Co-Faktor allerdings das Rauchen! Noch ein Grund, warum Pille und Tabakkonsum gar keine gute Idee ist. Und ebenfalls ganz wichtig: Infektionen mit Humanen-Papilloma-Viren können die Krebsentstehung fördern, bei One-night-stands und kurzen Affären sollte nichts ohne Kondome passieren um Infektionen mit HPV, aber auch Chlamydien und anderen unfreundlichen Keimen zu vermeiden. Es wird aktuell noch wissenschaftlich diskutiert, woran es liegt, das mit Pille Veränderungen am Muttermund häufiger sind, ob es an den synthetischen Hormonen liegt oder daran, das Pillennutzerinnen sich auf die Verhütungswirkung verlassen und Kondommuffel sind.

Eierstockkrebs: Die Rate ist bei langjähriger Einnahme der Pille deutlich niedriger, was schlicht und einfach daran liegt, das die Eierstöcke zur Ruhe gezwungen werden. Insgesamt ist Eierstockkrebs zum Glück sehr selten, es gibt aber keine wirkliche Früherkennung und leider wird er oft erst erkannt, wenn es schon mehr oder weniger zu spät ist. Bei Frauen aus Hoch-Risiko-Familien kann es sehr empfehlenswert sein, einige Jahre die Pille zu nehmen, um die Eierstöcke ruhig zu stellen und wenn die gewünschten Kinder dann da sind, die Eierstöcke nach dem 40en Geburtstag irgendwann entfernen zu lassen. Denn der Schutzeffekt vor Eierstockkrebs hält etliche Jahre nach dem Absetzen der Pille noch an. Zum Glück ist eine so starke genetische Belastung sehr selten, aber als Angelina Jolie sich vor einigen Jahren die Brüste hat amputieren lassen, sagten alle Kollegen, mit denen ich gesprochen hatte: warum nicht erst die Eierstöcke? Das ist das echte Pulverfass, bei den Brüsten gibt es bessere Möglichkeiten der Früherkennung. Nun, mittlerweile hat sich Frau Jolie auch die Eierstöcke  entfernen lassen, da sie von ihrer Mutter eine sehr ungünstige genetische Konstellation geerbt hatte. – Krebs entsteht immer aus verschiedensten Faktoren heraus: Ernährung, Umweltbelastung, endokrine Disruptoren wie östrogen-wirksame Substanzen in Kosmetik und Plastik-Verpackungen von Lebensmitteln gehören zusammen mit der Pille möglicherweise dazu. Im Einzelfall lässt sich nicht immer klar sagen, das kommt genau daher. Aber meine Devise als Naturheilkundlerin ist immer, den Körper so unbeeinträchtigt wie möglich arbeiten zu lassen.

5. Können von der jahrelangen Einnahme der Pille Folgeschäden bleiben?

Unsere weiblichen Körper sind unglaublich resilient und können von vielen Belastungen und Erkrankungen heilen. Manchmal braucht es einen gezielten Anstoß in die richtige Richtung z. B. mit Heilpflanzen, aber auch nach jahrelanger Pilleneinnahme bleibt nach meiner Erfahrung kein Schaden zurück, wenn der Körper gut unterstützt wird. Das Problem ist eher, das die Pille einen völlig normalen Scheinzyklus vorgaukelt und damit hormonelle Probleme oft nicht erkannt werden oder erst nach dem Absetzen scheinbar ganz plötzlich da sind. Die Menstruation und der gesamte Zyklusablauf, wenn er denn natürlich ist, ist ein perfektes Feed-back-Instrument, das mir mitteilt, wie gehe ich mit mir um, behandele ich meinen Körper gut, stimmt die Ernährung, Sport, Schlaf… das ich aber jahrelang viel einfacher missachten kann, wenn ich einen Scheinzyklus habe.

Wer mich vor Jahren sehr beeindruck hat, ist Dr. Christiane Northrup, die Autorin von „Frauenkörper, Frauenweisheit“*, eines der ersten Bücher mit einer sehr ganzheitlichen Betrachtung der Frauenheilkunde. Vor einiger Zeit hatte ich das große Vergnügen, sie live bei einem Vortrag zu erleben (zwar „nur“ Online, aber immerhin). Das Thema war „endokrine Disruptoren“, nach den bekannten Themen wie hormonwirksame Stoffe in Kosmetik, im Trinkwasser … Endokrine Disruptoren sind Stoffe, die unser Hormonsystem stören, die sich z. B. an Östrogenrezeptoren andocken können und wirken wie ein Hormon, ohne es zu sein. Am Ende des Vortrags sagte Dr. Northrup, sie hätte den wichtigsten Disruptor noch gar nicht erwähnt: den eigenen Geist! Dr. Northrup sagte, die ständigen Zweifel, die Frauen an sich und an ihren Körper hätten, wären oft eine stärkere negative Rückkopplung als alles andere. Mich hat das sehr beeindruckt, denn es benannte etwas, was ich bis dahin nur gefühlt wahrgenommen hatte. In meiner Praxis hat sich in den letzten 10 Jahren einiges verschoben. Früher setzten Frauen die Pille ab, weil sie unzufrieden waren oder ein Kind wollten und erwarteten erstmal, dass der Zyklus wieder anspringt. Klappte auch meist prima und so manche war schneller schwanger als eigentlich geplant. Heute erlebe ich immer mehr junge Frauen, die sich bereits vor dem Absetzen der Pille selber halb wahnsinnig machen, ob sie sich nicht auf ewig an ihrem Körper versündigt hätten. Es tut mir so leid, Frauen zu sehen, die gefangen sind in Angst und die ihrem Körper so gar nicht über den Weg trauen, irgendetwas selber zu regeln. Ich kann mit Heilpflanzen und anderen naturheilkundlichen Strategien so manches „PCO-Syndrom“ in einen unkomplizierten Zyklus verwandeln, aber ich kann keinen neuen Kopf verschreiben.

6. Beeinflusst die Pille das Lustempfinden?

Ja und ja… in beide Richtungen. Manche Frauen fühlen sich mit Pille viel freier und von der Angst vor einer Schwangerschaft befreit und haben dadurch mehr Lust. Bei anderen ist die gefühlsmäßige „Verflachung“, und die hormonellen Effekte, die ich unter Punkt 3 beschreiben habe ein Ticket in den Libido-Mangel. Besonders stark im negativen Sinne können die sogenannten antiandrogenen Pillen, das sind die, die männliche Hormone unterdrücken, wirken. Manchmal hilft es, wenn eine Frau die Pille weiter nehmen möchte, auf eine Pille mit Levonorgestrel als Progestin zu wechseln, die daneben auch nicht zu wenig Östrogen enthält. Einige Wissenschaftler diskutieren gerade, ob die heute so häufig geklagte Lustlosigkeit unter Pille damit zusammen hängt, dass die Pille heute so niedrig dosiert ist und einigen Frauen neben der Senkung des Testosteronspiegels auch die Östrogene fehlen. Daneben kann die Pille das Geruchsempfinden verändern und sexuelle Anziehung geht nicht wirklich durch den Magen (auch wenn mir das ein immer hungriger Freund im Studium weismachen wollte) sondern hat viel damit zu tun, ob wir einander gut riechen mögen.

7. Viele meiner Leserinnen und ich haben das Gefühl, dass viele Frauenärzte nicht genug über die Nebenwirkungen der Pille aufklären, die Pille zu leichtfertig verschreiben und nicht genügend auf andere Verhütungsmethoden eingehen, gar ausweichen. Können Sie einen möglichen Grund für dieses fragwürdige Verhalten nennen?

Ich finde es eher fragwürdig, dass uns in der Ausbildung so wenig über Alternativen beigebracht wird. Viele Kollegen wissen einfach ganz wenig über die Alternativen. Ich habe gerade auf einer Fortbildung für Kollegen über die neuen Diaphragmen aus Silikon und das Caya referiert (was für mich schon als „alter Hut“ durchging) und war erstaunt, wie viele Kollegen und Kolleginnen sich hinterher bei mir bedankt haben. Ein älterer Kollege sagte, er hätte seit über 20 Jahren nichts vom Diaphragma gehört, das wäre aber spannend, was sich in den letzten Jahrzehnten an Forschung und Entwicklung getan hätte. Nun, mit einem Caya-Diaphragma für ca. 35,- € oder einer Spirale, die im Einkauf 25,- € kostet und die 2 bzw. 5 Jahre genutzt werden können, ist nicht so viel Gewinn zu machen, als das auf Mediziner-Kongressen große Stände mit Infomaterial bestückt werden können. Bei Pillen, die das Gleiche oft pro Vierteljahr kosten, ist die Gewinnspanne viel höher. Dazu kommt, dass alternative Verhütung relativ viel mehr Beratungszeit benötigt als das Ausstellen eines Pillenrezeptes und der kurze Hinweis auf Thrombosen, Embolien und andere Nebenwirkungen (und der muss einfach sein!). Zeit ist eigentlich das knappste Gut in der Arztpraxis und ich habe es mit meiner Privatpraxis noch recht gut, aber selbst da ist Gesprächszeit im Verhältnis zu den technischen Untersuchungen wie Ultraschall völlig unterbewertet.

Da kommen verschiedene Faktoren zusammen: wenn ich mich als Ärztin über hormonfreie Verhütung weiterbilden möchte, muss ich mich selber darum kümmern. Im deutschsprachigen Bereich ist selbst die Literatur über Verhütung für Mediziner bis auf das Thema NFP recht schlecht aufgestellt, das heißt mir bleiben die Veröffentlichungen der WHO, der englischen und amerikanischen Fachgesellschaften und der ESC (European Society of contraception), das kostet zumindest Zeit und teils auch Geld, dort beizutreten oder Literatur zu kaufen. Zum anderen ist zumindest die Basis-Beratung zur Empfängnisverhütung Bestandteil der Visite beim Gynäkologen, de facto wird sie aber nicht bezahlt. In Schleswig-Holstein erhielten die Gynäkologen von den gesetzlichen Krankenkassen Anfang diesen Jahres ca. 24,- € pro Patientin, egal wie häufig diese kommt, sofern die Dame nicht schwanger oder krebskrank ist. Und wir sind zwar der echte Norden, aber lange nicht das Schlusslicht in der Gebühren-Liste. Ein Bundesland hatte 2014 17,20 € pro Quartal für die Versorgung jeder Patientin festgesetzt, das dafür keine optimale Betreuung für alle Patientinnen gleistet werden kann, ist klar. Frauengesundheit ist innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung extrem wenig wert. Es haben sich sogar schon einzelne Kolleginnen und Kollegen zu Wort gemeldet und gefordert, das Verhütungsberatung ganz aus der Leistung ausgeschlossen werden sollte, da es eine Prophylaxe ist und das Geld der Krankenkassen den schwer kranken Frauen gewidmet werden sollte. Das finde ich persönlich gruselig, aber junge, gesunde Frauen, die „nur“ verhüten wollen, sind oft die am wenigsten „wichtigen“ Patientinnen des Tages.

In anderen europäischen Ländern wird das Thema Verhütung teils politisch gewollt ganz anders gehandhabt. In Groß Britannien zum Beispiel ist Verhütungsberatung institutionalisiert, es gibt eine Beratungs-Telefonnummer der NHS, wenn frau nicht weiß, an welche Klinik sie sich wenden soll und Verhütungsmittel sind für Schülerinnen, Azubinen und Studentinnen subventioniert bis kostenlos. Sogar Kondome können in vielen GUM-Kliniken kostenfrei bezogen werden. Auch dort stehen die hormonellen Verfahren im Vordergrund aber lange nicht so stark wie bei uns. In Deutschland gibt es noch nicht einmal eine Leitlinie für die Verhütungsberatung wie in anderen Ländern, die als ein Leitfaden von Kollegen genommen werden kann.

8. Was sollte man beachten, wenn man die Pille absetzten möchte?

Wenn frau es aushält und keine akute Thrombose oder ähnliches hat: möglichst nicht in den ersten zwei Woche der Einnahme den laufenden Blister unterbrechen, sondern frühestens in der 3 Woche abbrechen oder den Blister zu Ende nehmen. So gibt es weniger Schmier- und Zwischenblutungen in den Folgezyklen, aber Schlimmeres passiert nicht, das heißt, wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht anders geht, einfach sofort die Einnahme beenden. Ansonsten bitte erstmal 3-4 Monate abwarten und dem eigenen Körper vertrauen, meisten springt der Zyklus von alleine wieder an und das recht schnell. Zu frühes Eingreifen mit Heilpflanzen wie dem Mönchspfeffer, der nun wirklich nicht zu allen Frauen passt, bringt eher mehr durcheinander.  Was aber auf keinen Fall eine gute Idee ist, mit Absetzen der Pille zeitgleich zu fasten oder eine radikale Diät zu machen. Ein plötzlicher Abfall der täglich verfügbaren Kalorien lässt den Körper an Hungersnot und Drama denken. Keine gute Zeit für eine Schwangerschaft also, und unser weiser Körper, der und als „Homo sapiens“ Jahrtausende auf diesem Planeten gehalten hat, fährt die Hormonproduktion runter. Wir geben so zeitgleich zwei Botschaften: auf der einen Seite sollen die Eierstöcke wieder arbeiten, gleichzeitig bekommen sie aber die Info „Ernte ausgefallen, bitte keine Schwangerschaft!“ Wenn nach 3-6 Monaten der Zyklus nicht wieder angesprungen ist trotz guter und ausreichender Ernährung, dann kann ich anfangen, mir gezielt Gedanken zu machen, wie der Körper unterstützt werden kann.

9. Die Pille kann nachweislich Menstruationsleiden wie Unterleibsschmerzen lindern, woran liegt das und was kann man dagegen tun wenn man die Pille nicht nimmt?

Oh, da gibt es ganz viele Optionen: das reicht von Kräutertees, die akut wirken bis zu langfristig zyklusregulierenden Pflanzen über homöopathischen Mitteln, Magnesium als Citrat stofflich oder als Schüssler-Salz… dazu müsste ich hier sehr viel schreiben, um eine einfache Anwendung „mal so eben“ zu erklären. Aber 2017 werden wir genau zu diesen Themen bei DocDodo.de weitere Webinare und Online-Kurse machen: Einen Grundkurs Heilpflanzenwissen und Vertiefungskurse über Menstruationsbeschwerden, PMS etc.

10. Welche hormonfreien Verhütungsmittel können Sie weiterempfehlen und wie sind diese anzuwenden?

Nun, ich selber bin jahrelanger Diaphragma-Fan und habe auch gute Erfahrungen mit NFP (natürlicher Familienplanung als symptothermale Methode) gemacht. Wenn Frauen die Verantwortung für ihre Fruchtbarkeit in die eigene Hand nehmen wollen, ist das gerade in Kombination eine tolle Sache, die auch sehr viel Flexibilität und Spontanität in der Sexualität erlaubt.

Daneben gibt es die kupferbasierten intrauterinen Verhüterli: Spiralen, Kupferkette und den IUB (intrauteriner Ball), die unter die „fix & forget“ = einsetzen lassen und sich keinen Kopf mehr machen – Methoden fallen. Sicher und praktisch für die Frauen, die sich mit ihrer Verhütung nicht groß beschäftigen wollen aber Hormone für sich ablehnen. Die Verträglichkeit ist gut, wenn nur die Größe des gewählten IUPs (Intrauterin-Pessar) zur Gebärmutter passt. Menskrämpfe und stärkere Blutungen kommen meist nur vor, wenn ein IUP schlecht sitzt oder zu groß ist. Schuhe müssen schließlich auch die richtige Größe haben, damit sie angenehm den ganzen Tag zu tragen sind. Ein Mindestalter gibt es übrigens nicht für die Einlage eines IUP und bei heutigen modernen Modellen, gilt die Aussage, dass sie nicht für Frauen ohne Kinder geeignet wären, schon lange nicht mehr.

Und natürlich sind Kondome auch nicht zu verachten. Wenn erfahrene Paare sie anwenden, sind sie sicher. Mittlerweile werden Fehlerquellen bei Kondomen wie falsche Größe, Vorhaut nicht zurückgezogen beim Aufsetzen, Baby-Öl als Gleitmittel etc. in vielen Publikationen besprochen. In meiner Praxis habe ich viele Paare, die jahrelang erfolgreich mit Kondomen verhüten und nur geplante Kinder haben.

Für weitere Informationen über die Methoden stehen die bereits abgehaltenen Webinare zumindest in Teilen noch zum Ansehen auf DocDodo.de zur Verfügung. Die Anmeldung dafür kostet nichts.

Jetzt habe ich doch sehr ausführlich geantwortet, über mein Herzensthema gesunde Verhütung kann ich mich immer schlecht bremsen. Ich wünsche allen Leserinnen einen guten Start ins neue Jahr und nur Wunschkinder, propper und gesund! Liebe Grüße aus Kiel, Dr. Dorothee Stuck

 



Olija Saveliva
innocentbeauty@outlook.de
2 Comments
  • FiosWelt
    Posted at 17:59h, 18 Dezember Antworten

    Spannendes Thema. Ich beschäftige mich auch schon eine Weile damit. Allerdings sagen mir die genannten hormonfreien Methoden nicht so zu. Vielleicht ändert es sich aber auch im Laufe der Zeit.

    Liebe Grüße,
    Fio

    • Olija Saveliva
      Posted at 17:45h, 22 Januar Antworten

      Finde ich auch. 🙂 Mir sagen die Methoden auch nicht zu, allerdings habe ich mich auch noch nicht intensiv genug damit auseinandergesetzt.

      Viel Erfolg bei einer Lösungsfindung.

      Liebe Grüße zurück.

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